Eine Woche Wohnungssuche – ein Rant

Schon ein interessantes Volk, die Maklerinnen und Makler. Ich suche gerade eine Wohnung in Graz. Mindestens 55m², mindestens 2 Zimmer und ruhig gelegen. Kein Dachgeschoss und wenn geht Balkon. Das Ganze um rund 600 EUR warm. Nichts aufregendes sollte man meinen. Deswegen habe ich ein bisschen mit ihnen zu tun.

Als erstes fällt auf, dass es in Graz offenbar keine MaklerInnen gibt, denen man seine Wünsche mitteilt und die dann mit Angeboten aufwarten, jedenfalls ist mir und allen in meiner Filterbubble, soetwas noch nicht untergekommen. Die Maklerinnen und Makler in Graz beschränken sich vielmehr darauf, Immobilienanzeigen durchzuforsten und alle Wohnungen die ohne Makler angeboten werden, mal für sich zu lukrieren. Ich habe auf willhaben.at den EMail Service in Anspruch genommen, der mir passende Angebote zukommen lässt. Das haben offenbar auch die Makler. Es kommt eine Anzeige für eine Wohnung, privatvermietet. Ein paar Tage später kommt die gleiche Anzeige von einem Maklerbüro, mit sogar den selben Bildern usw., daraus folgere ich, dass die Maklerinnen und Makler wohl nicht mal eigene Fotos machen.

Wo wir gleich beim nächsten Thema wären, Fotos. Eine Katastrophe. Fotos von privatvermieteten Wohnungen sind ja noch recht annehmbar, weil die Damen und Herren Vermieter wohl darauf wert legen, ihre Immobilie möglichst gut darzustellen. Die Fotos der Maklerinnen und Maklern hingegen, strotzen nur so von Nichtsaussage.

Hier ein Beispiel – Titel “Single-/ Studentenhit Nächst FH in Eggenberg!”, hat 64m² (Quelle: entsprechende Anzeige auf willhaben.at):

zimmerkueche

Das war’s. Wir haben vielleicht, wenn man großzügig ist, 10m² abgebildet. Ok, fairerweise, ein ebenso nichtssagendes Bild vom Balkon war auch dabei, trotzdem haben die Bilder keinen (Mehr-)Wert. Oder die Anzeige des Hauses von außen, mit einem leeren Regal und einem Vorraum als Bildausschnitt (die Anzeige gibt es leider nicht mehr). So, also alles klar wie es in der Wohnung aussieht, richtig?

Abgesehen von Bildern fehlt bei gefühlten 90% ein Grundriss. Niemand verlangt (zenti-)metergenaue Grundrisse, aber eine größenverhältnisdarstellende Grundrissskizze, von mir aus auf einem Blatt Papier mit Filzstift gemalt, würde einen immensen Mehrwert bieten. Aber, wie Fladi trefflich anmerkt, würde die Konvertierungskette der selbst, mit Blut und Schweiß erstellten Skizzierung, wohl so aussehen:

papier -> scanner -> tiff -> pdf -> jpeg ->gif -> drucker -> papier -> scanner -> jpeg

evtl. wir der zweite druckerschritt durch an blinden einäugigen chinesischen maler ersetzt, der sich des gif vorlesen losst und doun ah abstrakte repräsentation davon erstellt

Jetzt hat man aus den detailreichen Belichtungen und den, vom verstorbenen aber exhummierten Architekten, persönlich und per Hand gezeichneten Grundrissen eine interessante Wohnung gesehen, aber wo ist diese denn nun genau? “Moooooooment”, denkt sich der Makler, “da könnte ja Jede/-r kommen!”. Anstatt eine Adresse anzugeben, hat man Glück, wenn man zumindest die Strasse erfährt. Üblich ist aber sehr oft auch nur den Bezirk anzugeben. “8020 Graz, Eggenberg” liest man dann zum Beispiel als InteressentIn, wenn man nach der Lage der Immobilie sucht. Eggenberg also. Soso. Der Bezirk Eggenberg in Graz hat 7,78km² Fläche (Quelle: Wikipedia). Es gibt ruhige Flecken, grüne Flecken, es gibt Strassenbahnlinien, Buslinien, stark befahrene Strassen, wenig befahrene Strassen, Industrie, Zuggeleise, einen Bahnhof, also alles was man sich denken kann. Aber mit “8020 Graz, Eggenberg” ist anscheinend alles gesagt.

Hat man sich nun doch durchgerungen anzurufen, und hat das Glück die genaue Adresse zu erfahren dann wird man eingeladen, zu einem Besichtigungstermin. Aber schlau ist er/sie ja, der Makler/die Maklerin. Wegen einer Person lässt er oder sie sich nicht so einfach hinter dem Ofen hervorlocken. Man könne ja an der “gemeinschaftlichen” Besichtigung teilnehmen. Gemeinschaftlich heißt, zusammen mit 15 anderen durch die Wohnung gehen und am Ende der feierlichen Eröffnungsansprache wird verlautbart “wer sich zuerst meldet, bekommt die Wohnung. Sie können sich jetzt in Ruhe umsehen”. Natürlich in Ruhe. Ruhe definiert der/die MaklerIn also mit x anderen Personen gemeinsam in einer Wohnung (ob ich mir da Sorgen machen muss, wenn ich eine ruhige Lage bevorzuge?).

Für all diese ansprechenden Dienstleistungen kassiert der/die überragende DienstleisterIn dann die maxiaml ausschöpfbaren zwei Bruttomonatsmieten, plus Steuer. Bis September 2010 waren es sogar noch drei. Bei der Herabsetzung hat der Branchenverband noch um die Existenz gefürchtet, heute merkt man davon gefühlt als Wohnungssuchende/r nichts.

Fazit

Was ich mir wünschen würde, wäre ein Maklerbüro dem ich meine Wünsche mitteile, das danach ALLE Anzeigen für mich durchschaut, und mir passende Angebote unterbreitet. Vorab per Mail, mit brauchbaren Fotos, einem Grundriss, mit Informationen zur genauen Lage und zur Heizung. Bonuspunkte gäbe es bei weiterführenden Informationen z.B. betreffend den Nachbarn, der Öffi-Anbindungen, Verkehrslage usw. Das alles kann man heutzutage in Datenbanken pflegen. Ist gar nicht soo schwer, wirklich.

4 thoughts on “Eine Woche Wohnungssuche – ein Rant”

  1. Hi Walter,

    dein Bericht erinnert mich an meine damalige Wohnungssuche. Einfach einen Makler zu beauftragen, seinen Job zu machen war auch bei mir nicht drinnen. Bei den meisten bekam’ ich die Infos, die ich eh schon längst hatte.
    Ich muss aber sagen, schlussendlich hatte sich ein Makler gefunden, der mir meine jetzige Wohnung vermittelte, dessen Service (mit Grundriss, Aussenbilder etc.) recht gut war. Natürlich auch zum Preis einer Monatsmiete+Kaution.
    Lustigerweise hatte ich dann von meinen Makler nie mehr was gehört, lediglich die Polizei hatte sich einmal bei mir erkundigt, ob ich wüsste, wo sich die besagte momentan befindet 🙂 (keine Sorge, die Kaution liegt bei Hausverwaltung).
    Der Punkt Hausverwaltung ist mit Sicherheit bei der Wohnungssuche auch relevant. Ich habe damals darauf keinen Wert gelegt und mich nicht vorab erkundigt. Im Summe sind es aber die Leute bzw. das Unternehmen, die einen Service bieten können oder einfach nur Nerven kosten. In meinen Fall, kostet so manche Unfähigkeit meiner Hausverwaltung mir meistens mehr Nerven als ihr verdientes Jahreshonorar, welches über die Betriebskosten umgelegt wird.

  2. ich dachte der sinn hinter maklern (wenns denn überhauptet einen gibt) ist der dass man ihnen eine liste mit den eckdaten der wohnung gibt, sie dann den immobilienmarkt für einen durchforsten und akzeptable wohnungen vorlegen.
    wirklich seriöse maklerbüros müssten so etwas doch anbieten, oder?

  3. dachte ich auch, ist mir aber bisher nicht untergekommen.
    viele sagen zwar, sie melden sich, wenn sie was finden, man hört aber nie wieder etwas von ihnen..

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